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Endlich darfst du Erzieher sein. Du hast die drei Jahre Berufsausbildung hinter dir. Dein Arbeitgeber steht fest. Die Kita in der du eingesetzt wirst, freut sich auf dich. Aber wie sollst du dich positionieren? Womit startest du in die Gruppenarbeit? Welche Rolle sollst du im Team übernehmen?

EIN ERZIEHER BRAUCHT ÜBUNG!

LASS DICH AUF DIE KINDER EIN

Du kannst tausend Pläne schmieden und dir genau ausmalen, wie alles ablaufen soll. Deinen Ordner aus der Ausbildung hast du unter deinen Arm geklemmt und möchtest alles Gelernte umsetzen. Dir schwebt schon genau vor, wo du wann hinwillst.

Ganz ehrlich deine Einstellung den Job ernst zu nehmen stimmt, wenn du den Aussagen zustimmst. Aber hey, nimm dir ZEIT!

Als erstes geht es in der Ankunftsphase darum, die Kinder kennenzulernen. Sie brauchen ihre Zeit, um dir mit Vertrauen zu begegnen. Sie werden dich prüfen, in dem sie deine Grenzen ausspionieren. Regeln die den Kindern wohl bekannt sind, werden etwas gedehnt. Und meistens werden ihnen diese Freiheiten zugesichert, weil sie nicht enttäuscht werden sollen.

Die Kinder werden dich sozial-emotional mal in ihre Nähe lassen und hin und wieder zeigen, dass sie dir noch nicht hundertprozentig vertrauen. Sie lassen dich vielleicht im Rollenspiel oder in der Bauecke abblitzen, obwohl du freundlich dein Interesse zeigst.

Beobachte sie, wertschätze und gib dich so wie du bist. Wenn dir die Strenge nicht steht, dann mach es auf deine Art. Brauchst du mehr Struktur und eine klare Linie, dann versuche sie langsam einfließen zu lassen.

WELCHE ENTWICKLUNGSPHASE PASST ZU DEINER ARBEITSWEISE?

Finde ebenso heraus, welche Altersgruppe dich als Erzieher oder Erzieherin herausfordert. Schließe jedoch keine Altersgruppe sofort nach einer Woche aus. Es braucht Zeit hinter die Fassade der jeweiligen Altersklassen zu schauen und zu verstehen wie sie funktionieren. Oberflächlich kann keine Entscheidung qualitativ hochwertig getroffen werden. Natürlich spricht den Einen der pflegerische Aspekt in der Krippe nicht an, dafür aber wiederum der Entwicklungsfortschritt der erkennbarer ist, als bei den Elementarkindern. Der Andere findet die Sprachförderung im Elementarbereich höchst spannend, aber dafür sind Bildungsangebote, die geschaffen werden müssen, zu kompliziert.

Es gibt in jedem Bereich ein Für und Wider. Das ist klar. Beide Seiten sind jedoch sehr facettenreich, genauso, wie die Kinder es selbst auch sind.

WELCHE EINRICHTUNG PASST ZU MIR?

Es gibt Montessori-Kindergärten. Waldorfkindergärten. Waldkindergärten. Emmi Pikler Einrichtungen. Kitas die nach dem Situationsansatz arbeiten. Jugendclubs. Horteinrichtungen. Wohngruppen und viele mehr.

Das ist nur ein kleines Spektrum, welches ich hier aufführen möchte. Das sozialpädagogische Arbeitsfeld hat unglaublich viele Nischen, die als Erzieher abgedeckt werden können. Es ist für an einem selbst herauszufinden, welche Art Einrichtung zu einem passt.

Natürlich weißt du das am Anfang deiner Laufbahn nicht zu 100%. Deshalb sage ich dir wieder, lass dir ZEIT! Schau dir die Einrichtungen behutsam an. Nichts spricht dagegen im Abstand von ein bis zwei Jahren die Stelle zu wechseln. Hierbei kann dir nachgesagt werden, dass du nicht loyal bist. Aber hey, dein Leben ist kein Parkplatz, wie eine Kollegin von mir mal sagte.

Wichtig ist, dass du dich mit den in der Einrichtung gegebenen Rahmenbedingung arrangieren kannst. Du musst dich wohlfühlen, um authentisch mit den Kindern arbeiten zu können. Um vollwertiges Mitglied des Teams zu sein. Um selbst positive Erfahrungen zu machen, damit du in dem Job wachsen kannst.

BINDUNG ZU DEN KINDERN

Was ist diese Bindung von der immer alle reden? Das ist das Ding, was zwischen dem Erzieher und den Kindern aufgebaut wird, wenn wertschätzend und aufmerksam an den Entwicklungsbedürfnissen gearbeitet wird. Kennt ihr bestimmt und habt ihr ausreichend im Unterricht behandelt. Solltet ihr wenigstens.

Dabei geht es nicht darum jede Handlung der Kinder mit einem Freibrief auszustatten. Schaut ihr intensiver auf die Rahmenbedingung der Handlungen, dann versteht ihr mehr, wie die Kinder zu ihren Ausführungen kommen. Schweres Thema, lohnt sich aber rauf zu gucken.

Denn wenn ihr in die Bindung der Kinder optimal investiert, ist euch das Vertrauen der Eltern zur Hälfte sicher. Kinder sind der Schlüssel zur Beziehung mit den Eltern. Diese sorgen sich, wären oft gerne Spione und trauern der Zeit die sie ihr eigenes Kind nicht an der Seite haben unbewusst hinterher. Deshalb ist ein einfühlsamer Umgang mit den Eltern ebenso wichtig, wie mit den Kindern selbst. Klar, sagen euch einige gestandene Erzieher*Innen, dass die Eltern sich mal gefälligst hintenanstellen müssen, sie wären in erster Linie für die Kinder da. Quatsch! Aber das behandeln wir nochmal in einem Extrablog.

Meistert ihr Kinder und Eltern ist es euch gelungen den Start als Erzieher geschafft zu haben. Als nächster Schritt wäre es dann darüber nachzudenken, in wie weit das Team noch mehr von euch profitieren kann. Aber auch hier sage ich euch wieder, lasst euch ZEIT!

EIN ERZIEHER BRAUCHT GEDULD MIT SICH

Ich bin wahrlich das falsche Beispiel, wenn es um das Thema Geduld geht. Allerdings, habe ich in den letzten Jahren gelernt, dass Geduld haben nicht Stillstand bedeutet. Im Gegenteil. Es hält dich zurück, alle Körner die man hat, im ersten Moment zu verballern.

Du hast den Beruf gerade erst begonnen. Die Reise beginnt quasi erst. Ich kann dir sagen, dass sie spannend werden kann. Viele Menschen kommen und gehen. Von der Mehrheit kann gelernt werden. Positive Erlebnisse machen zufrieden, negative spornen an, Fehler nicht wieder zu tun oder erst gar nicht dramatisch zu begehen.

Der Kern des Erzieherberufs ist, dass nie alles erlebt werden kann. Dazu sind die Menschen mit den man in Kontakt kommt, unendlich unterschiedlich, obwohl einige Gleichnisse darüber hinwegtäuschen. Aber es kann gelernt werden dieser Vielfalt zu zuhören.

Lass dir Platz dich zu entwickeln. Schaue dir Sichtweisen an. Lass die Grenzen deiner Haltung offen. Erlebe den Beruf in vollen Zügen.

Und dann kannst du bei dem Ganzen, LASS DIR ZEIT und der sagenumworbenen GEDULD, ein ganz bestimmtes Ziel vornehmen: Beginne als kleiner Saboteur und werde zum großen Innovator

DU WILLST MEHR WISSEN

Wenn du noch weitere Fragen zu diesem Thema hast, dann schreibe mir gern via Twitter oder Facebook. Wird es länger, dann empfehle ich dir eine Mail zu schreiben.

Viel Erfolg beim Einstieg in den Erzieherberuf