BLOG #06

→ Wie gestalte ich das Leben meines Kindes?

Mutter oder Vater werden wir nicht erst mit der Geburt des Kindes. Schon weit im Voraus fangen wir an, unser Bild vom Kind zu konstruieren. Beeinflusst werden wir natürlich vom jeweiligen Partner, von unserer eigenen Kindheit und unserem eigenen Charakter. 

Diese Bausteine legen wir dem Kind praktisch in die Wiege, in der Hoffnung, dass es dann fast genau die Welt baut, die wir in unserer Vorstellung haben.

Selbstbewusst, sportlich, beliebter Spielpartner, abenteuerlustig, freundlich, hilfsbereit, gut in der Schule, später Student, tolle Enkel und ein Haus und Boot soll er haben. Eventuell überspitze ich etwas, aber einige dieser Vorstellungen habe ich schon erzählt bekommen. Sicherlich stellen wir uns kein Kind vor welches zerbrechlich, introvertiert und nicht erfolgreich ist. Denn dann würden wir ein Tabu anfassen. Oh Gott. Lieber nicht. (Ironie Ende)

Das Kind hat quasi keine Chance sich sein eigenes Bild zu erschaffen, wie es sein möchte. Das soll nicht heißen, dass wir Kinder in Zukunft sich selbst überlassen und gar nicht mehr begleiten. Aber lassen wir die Ideen, die wir haben, doch mehr im Hintergrund laufen. Lassen wir Raum, um alles auf uns zukommen zu lassen. Intuition ist meiner Meinung nach von Anfang an gefragt. 

Die Frage lautet nicht, wie gestalte ich das Leben meines Kindes, sondern wie lasse ich das Kind sein Leben gestalten. 

→ Ich will das mein Kind “gut erzogen” ist!

Selbstverständlich möchten wir immer nur das Beste für unsere Kinder. Klar wie Kloßbrühe. Aber gut wird in Verbindung mit vernünftig, anständig oder angepasst verbunden. Ein Kind muss doch artig sein oder nicht?

Ihr kennt bestimmt Situationen, in denen Eltern zu ihren Kindern sagen, jetzt benehme dich doch mal, sei leise, das gehört sich hier nicht. Hier wird nicht geschrien, was sollen die Leute denken. Zusammengefasst bedeutet das, wir wollen uns nicht für unsere eigenes Kind schämen, wenn es nicht der allgemeinen Norm entspricht.

Dazu passend werden dann Konsequenzen ausgesprochen, die äußerst fragwürdig sind. Wären allen Maßregelungen Handlungen gefolgt, dann säßen Kinder mehr im Auto, in ihren Kinderzimmern oder im Wald sitzen als bei ihren Eltern am Esstisch.

Wann immer ich mitbekomme, dass ein Kind wegen einem augenscheinlich unangepassten Verhalten reguliert wird, könnte ich brechen. Wirklich! Direkt im Strahl.

Wenn ihr jetzt sagt: “Ja, aber manchmal muss ein Kind lernen sich zu benehmen. Was sollen die Leute von mir denken?” Dann empfehle ich euch, das Denken den anderen Leuten zu überlassen. Arbeitet nicht an der Meinung der Anderen, sondern an euch selbst. Ihr seid das Vorbild eurer Kinder.

→ Mein Kind soll einen strukturierten Alltag haben!

8:00 Uhr Kita. 16:30 Uhr Kita Ende. Danach zum Kindersport. 18:00 Uhr zu Hause. Vielleicht noch 30 Minuten spielen, denn dann ist Abendbrotzeit. Um Punkt 19:30 Uhr im Bett sein. Zack! Und das jeden Tag. Willkommen im typischen 9 to 5 Zeitalter und das schon fast von Lebensbeginn an. 

Aber wir trösten uns. Es ist nicht jeden Tag das Gleiche. Nee, stimmt. Jeden Tag gibt es nach der Kita andere “wichtige” Erledigungen zu tätigen. Und Struktur und Dinge die wir machen “müssen” gehören zum Leben dazu. Ist das wirklich so?

Wir hätten es sehr gerne, wenn unsere Kinder geplant und mit Verständnis sich immer wiederkehrenden Abläufen beugen. Sie können und wollen das jedoch gar nicht. Nicht jetzt. Nicht in ihrem Alter. Und schon gar nicht, wenn sie an Entscheidungsprozessen nicht teilnehmen durften.

Wer die Struktur wirklich braucht sind wir selber. Mehr und mehr überlassen wir also zeitlich bedingten Strukturen unser Leben. Mir ist bewusst, dass es ohne roten Faden auch nicht geht. Dem stimme ich fest zu. Mittlerweile bewegen wir uns in Extremen, in denen Kinder es schwer haben, mitzuhalten.

Und weil wir die Kinder ungeachtet versuchen in dieses Regulierungssystem zu drücken, kommt es zu Konflikten. Es liegt an uns Erwachsene, diesen fast schon täglichen Fahrplan zu verändern. Bei mir gibt es kein 18:30 Uhr beim Abendbrot sitzen. Und schon gar nicht Punkt 19:30 Uhr im Bett liegen. Mal ist es 20 Uhr oder auch mal 21 Uhr. Wenn mein Kind die Zeit mit Mama und Papa braucht, ist Zeit einfach irrelevant.

→ Mama und Papa brauchen Zeit für sich

Kinder erst um 21 Uhr ins Bett? Nein. Niemals. Das geht doch nicht. Ich brauche doch auch Zeit für mich. Arbeitstage sind hart. Am nächsten Tag geht es wieder früh los. Für intensive Momente bleibt am Wochenende Zeit. Das muss das Kind verstehen.

Puuh. Naja. Ich würde mal sagen, dass das Kind es einfach irgendwann akzeptiert. Ob es das Verständnis für die Strukturen hat, würde ich offenhalten. Ich denke, dass diese typischen Eltern-Kind-Strukturen, die ich im vorherigen Block beschrieben habe, eine klare Distanz beschreiben.

Kinder sind demnach der Schatten der Elternwelt. Die Eltern organisieren das Leben und die Kinder sollen mitmachen. Ab und zu bekommen sie einen freien Slot, damit ihre Tagesbedürfnisse gestillt werden können. Zu viel dürfen sie aber nicht mitentscheiden oder mitbegleiten, weil sie einem Erwachsenen die Freizeit rauben. 

Ihr denkt jetzt, dass ich übertreibe. Es wäre schön, wenn dem so wäre. Das ist aber die die Realität in der ich schon viele solcher Familienstrukturen kennengelernt habe und durch meinen Beruf immer wieder erlebe.

→ Regeln sind gut wenn…

Na gut. Überdenken wir diese Familienstrukturen einfach. Definitiv brauchen wir Regeln und einen roten Faden, damit das Zusammenleben in einer Familie optimal funktionieren kann. Es sollte jedoch so sein, dass Kinder bei der Entstehung der Familienkultur mitbestimmen dürfen.

Letztendlich geht es auch wieder um Klarheit. Sicherlich gibt es mal hier und da Abweichungen bei Absprachen, aber die Basis muss klar sein. In der Frage, wie eine Familienkultur aufgebaut ist, welche Abläufe fix und welche flexibel sind, ist es hilfreich eine Verlässlichkeit einzubauen.

Im Beispiel der Abholsituation im Kindergarten ist das Kind einfach auf abgeholt werden und nach Hause fahren eingestellt. Bereiten wir das Kind auf mögliche Folgepläne vor, kann sich das Kind besser auf die Pläne einlassen. Es kann trotzdem noch zu spontanen Beschwerden kommen, aber die fallen meist leichter aus. Das ist dann eher ein zartes Nachfragen, ob der Einkauf oder der Sportkurs wirklich sein muss. 

Absprachen finden fast selbstverständlich zwischen Erwachsenen statt. Kinder fühlen sich außen vorgelassen, wenn sie an der Planschmiede ausgeschlossen werden. Wenn Kinder sich dann äußern, werden sie mit einer Entscheidung konfrontiert und fühlen sich fremdbestimmt.

Ja, aber wie mache ich das bei einem Kind was nicht sprechen kann? 

Ganz einfach. Du merkst es an seiner Stimmung. Wie oft habe ich Kinder erlebt die über jegliche “Familienfeste” geschliffen werden. Oft weinen sie oder bleiben abrupt stehen und möchten sich nicht mehr fortbewegen. Ein klares Zeichen nochmal ins Gespräch zu gehen. 

Gehen wir mit den Kindern mehr in die Kommunikation, erweitert das ihr Verständnis. Dadurch lernen sie Kompromisse einzugehen und wir Erwachsene auch. 

→ FAZIT ← 

“Jetzt fange ich an mit meinem Kind zu diskutieren. Ich bestimme wo es langgeht.”

Kannst du gerne so machen, beschwere dich jedoch nicht, dass du immer wieder mit Kindern aneinandergerätst. 

“Aber manchmal sind Termine nach der Kita auch spontan”

Gut ok. Spontane Termine passieren ab und an und sind nicht die Regel. Wenn an den anderen Tagen Klarheit herrscht, dann ist Spontanität zu ertragen.

“Besprichst du alles mit deinem Kind oder quatsch du nur Klug rum?”

Ich bin nicht perfekt. Dennoch versuche ich mein Kind und damals meine Gruppenkinder in die Planungsprozesse einzubeziehen. Das hat mir auch Sicherheit gegeben, so lasse ich versprochene Aktionen nicht einfach unter den Tisch fallen.

Lasst uns einen Prozess starten. Verantwortung abgeben, heißt Vertrauen schenken. Unseren Kindern können wir Entscheidungen zutrauen. Sie werden natürlich nicht immer zu unseren Gunsten Entscheidungen treffen. Müssen sie auch nicht. Das tolle ist, dass sie durch ihre Denkweise, unsere beeinflussen und wir kommen dadurch auch auf andere Erkenntnisse. Eine klare Win-Win-Situation für alle.

Wenn ihr noch mehr Lust auf sozialverzogenen Content habt, dann klickt euch durch die Website und besucht uns auf Instagram und Youtube!